„Hallo meine Lieben, hier ist wieder eure Julie“
© Arno Declair

„Hallo meine Lieben, hier ist wieder eure Julie“

Und ja, da ist sie und wie! Nach meiner eigenen zweiten Premiere der Spielzeit, ging ich mal wieder INS Deutsche Theater. Fräulein Julie sollte es diesmal sein, aber mit dem Text von August Strinberg hat es nicht mehr viel zu tun. Es ist jedoch grandios.

Wenn man in die Kammerspiele des Deutschen Theaters geht, sieht man als erstes Bozidar Kocevski, wie er an seinem Computer sitzt. Und dies ist auch schon die größte Änderung. In Strindberg gibt es diesen Charakter, der Thomas heißt. Auf der Bühne sieht man ihn nicht, es wird nur von ihm gesprochen. Das Bühnenbild besitzt eine hochmoderne Designerküche und das Zimmer von Thomas. Und eine Videowand, auf der die Kamera übertragen wird. Mein Sitznachbar sagte, da wäre ein Fehler im Bühnenbild. Naja, ich sah keinen.

Bei Fräulein Julie, in der Fassung von Kuljabin, dreht es sich im Grunde eigentlich um Macht. In Julies moderner Designerküche wird eine Kamera aufgebaut von Jean. Dieser ist ein Angestellter von Julie. Thomas, der Verlobte von Julie, wollte diese Kamera, um Julie bloßzustellen, da Julie Thomas demütigte. Jean bekommt Geld dafür, dass er diese Kamera aufbaut. Jean bekommt einen „Big Brother“ ins Ohr, über den er immer die Befehle von Thomas bekommt, was er mit Julie tun solle. Doch dann verlieben sich auch noch Jean und Julie. Und dann ist da auch Christine, die die eigentliche Verlobte von Jean ist.Alles endet in einem orangenen Blutbad.

Linn Reusse stellt diese verwöhnte Millionärstochter so frech und rotzig dar, dass es echt sehr amüsierend ist, sie spielen zu sehen. Trotzdem merkt man, Julie hat eine verwundete Seele und muss ihren Schmerz an irgendjemandem rauslassen.

Es zeigt auch, dass niemand dieser Charaktere Herr der Lage ist. Und es macht unfassbar viel Spaß diesen Charakteren zuzusehen. Wie sie nach und nach über sich und auch über die anderen die Lage verlieren. Alle tanzen am Rande des Abgrunds und irgendwie retten sich dann doch alle so halbwegs. Es ist unfassbar amüsant und eine neue tolle Sicht auf diesen Klassiker.

Autorin: Mariella Pierza