Franziska Machens: „Ich sehe mich nicht als Ober-Schauspielerin“ – Ein Portrait
© Maria Sturm

Franziska Machens: „Ich sehe mich nicht als Ober-Schauspielerin“ – Ein Portrait

Wenn ich Franziska im Theater sehe, sieht man gar nicht sie, sondern nur die Rolle. Ich habe mich gefragt, was hinter dieser Person steckt. – Was steckt hinter Lady Stuart, die Grimassen zieht? Was steckt hinter Célimène, die jeden Mann hinter das Licht führt. Ich habe Franziska angefragt und schon haben wir uns coronagemäß auf ein Zoom Meeting getroffen.

Wir sprachen über ihr Aufwachsen in einem kleinen Dorfe zwischen Hildesheim und Hannover und die ersten Schritte im Stadttheater in Hildesheim, wo sie im Jugendclub spielte.

„Manchmal hatte ich Angst vor dem Jugendclub. Man musste „kreativ“ sein. Aber dann merkte ich immer wieder: Das macht mir Spaß!“. Über ihre Schulzeit, die nicht immer einfach war sagt sie: „Ich bin froh, dass es vorbei ist.“ Anfangs fürchtete sich die angehende Schauspielerin „Ich dachte ich müsste etwas mitbringen, was ich nicht habe.“ Nach der Schulzeit folgte dann das lange Vorsprechen an den Schauspielschulen. Hier merkte Franziska auch wie viel Spaß ihr es macht. Letztendlich wurde sie an der Otto Falckenberg Schule in München angenommen.

Nach ihrer Schauspielschulzeit wurde sie am Schauspielhaus Zürich engagiert. Hier spielte sie vier Jahre. In ihrer Zeit in Zürich baute sie sich eines ihrer herrlichen Regale. Jetzt in der Corona Zeit baute sie sich noch Türen an die Schränke. „Ich kann es zwar nicht, aber ich tue so als könnte ich es, so wie im Beruf“. Sie erzählt von einem Regal aus ihrer Zeit an der Schauspielschule. Dieses Regal hat sie jedoch nur mit Nägeln befestigt und „Alles ist zusammengefallen“, als sie es hochhob. In Zürich spielte sie einer ihrer lustigsten Rollen in „20.000 Seiten“. Alle Schauspieler*innen hatten so absurde Figuren. „Wir hatten unfassbar viele Lachkrämpfe auf der Bühne.“ Die Zeit in Zürich war oft ziemlich stressig, denn hier hatte man sehr viele Auftritte. Daher überlegte Franziska kurz, ob sie Medizin studieren sollte. Diese Pläne wurden jedoch schnell überflüssig und sie kam an das Deutsche Theater in Berlin. Hier ist sie jetzt seit der Spielzeit 2013/14 festes Ensemblemitglied. Man merkt wie doll ihr das Deutsche Theater am Herzen liegt. „Ich liebe diesen Ort so.“. Doch in einem Jahren endet die Intendanz von Ulrich Khoun. So steht sie selbst als festes Ensemblemitglied vor einer ungewissen Zukunft.

Auch den Lockdown kann Franziska mit sehr positiven Augen sehen, auch allgemein ist sie ein sehr positiver denkender Mensch. Sie dankt jeden Morgen dafür, dass sie in einem festen Engagement ist und ihr Gehalt gezahlt wird. Man merkt ihre fröhliche und glückliche Einstellung. Ihr aktueller größer Wunsch: „Ich würde mich schon freuen meine Kolleg*innen zu sehen.“ Aktuell ist die Schauspielerin in Maria Stuart und in dem Stück Menschenfeind zu sehen. Hier spielt sie die Hauptrolle. Auf meine Frage, ob sie lieber Hauptrollen oder Nebenrollen spielt, antwortet sie: „Ich spiele beides gerne. Wenn ich mich aber für den Rest meines Berufslebens entscheiden müsste, würde ich sagen: Auf Nebenrollen könnte ich nicht verzichten.“

Im Gespräch merkt man wie positiv und glücklich sie ist. Und dass sie zum Schauspielberuf ein sehr entspanntes Verhältnis pflegt. „Ich sehe mich nicht als Ober-Schauspielerin.“ Dieser Satz ist mir besonders im Kopf geblieben und ich denke, er sagt sehr viel über Franziska aus.

Autorin: Mariella Pierza